{"id":26,"date":"2020-08-18T14:16:41","date_gmt":"2020-08-18T12:16:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.notensatz-schlesinger.de\/?page_id=26"},"modified":"2020-09-22T10:22:01","modified_gmt":"2020-09-22T08:22:01","slug":"geschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.notensatz-schlesinger.de\/?page_id=26","title":{"rendered":"Geschichte"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container\">\n<p>Als die Menschheit anfing Sprache aufzuschreiben, ging es wohl erst einmal um die Verwaltung der gr\u00f6\u00dfer werdenden G\u00fcter der Tempel. (<em>Sumerische Bilderschrift<\/em>\u00a0im Zweistromland Mesopotamien zwischen Euphrat und Tigris). Das war ungef\u00e4hr ab 3300 v. Christus.  Interessant ist, wie sich die Schriftzeichenmenge dieser Bilderschrift von urspr\u00fcnglich wohl mehreren tausend auf ca. 500 reduzierte. Damit wurde die Schrift besser erlernbar und konnte die steigenden Tendenzen zur Staatenbildung wirksam unterst\u00fctzen. F\u00fcr die Menschen der damaligen Zeit muss in diesen Vorg\u00e4ngen des Aufschreibens und Lesens eine ungeheure Magie gewesen sein. Die assyrischen Kulturen \u00fcbernahmen die sumerische Bilderschrift, ritzten sie in Ton ein und entwickelten damit die\u00a0<strong><em>Keilschrift<\/em><\/strong>. In ungef\u00e4hr der gleichen Zeit entstand in \u00c4gypten die\u00a0<em>Hieroglyphenschrift<\/em>\u00a0als Lautschrift. Parallel entwickelte sich Mathematik, Astrophysik und mit diesen verbunden die ungeheure Baukunst der \u00c4gypter. An die Niederschrift von Musik wurde in diesen fr\u00fchen Zeiten wohl noch nicht gedacht. Unsere Vermutung, Musik k\u00f6nnte als Medium des Austausches zwischen Menschen viel \u00e4lter sein als Sprache, bleibt wohl auch in Zukunft nicht beweisbar. Sicher ist jedoch, dass erst nach \u00fcber 2000 Jahren nach den Anf\u00e4ngen der geschriebenen Sprache auch Musik nachweisbar aufgeschrieben wurde. Wir wissen aus der Zeit vor dem Beginn der Musiknotation von der Musik nur, dass sie gemacht wurde. Erz\u00e4hlungen und Abbildungen kultureller und magischer Motive sprechen eine beredte Sprache. Im Orient entwickelten sich ebenfalls Schriftzeichen \u2013 die volle Ausbildung der chinesischen Schrift ist ca. 1000 v. Chr. abgeschlossen. <\/p>\n\n\n\n<p>Erstaunlich, wie viele Musiker es ca. 950 v. Chr. in Israel gab: 4000 ! Und immer noch wurde die Notation von Musik nicht praktiziert! Die wahrscheinlich \u00e4ltesten Aufzeichnungen eines Musikst\u00fccken findet sich in der babylonischen Kultur ca. 800 v. Chr. (Keilschrift). Der Versuch, altgriechische Musik zu rekonstruieren f\u00fchrt bis in das 7. Jahrhundert vor Christi Geburt und damit in die fr\u00fchen Anf\u00e4nge der Musiknotation in Griechenland. (CD: MUSIQUE DE LA GRECE ANTIQUE, harmonia mundi s.a. 1979 Nr.: 190115). In Griechenland lassen sich bereits zwei verschiedene Notationssysteme erkennen: Die\u00a0<em>Instrumentalnotation<\/em>\u00a0mit 15\u00a0Zeichen und die\u00a0<em>Vokalnotation<\/em>\u00a0mit den 24 Buchstaben des ionischen Alphabets. (Kenner wissen dass sich in Griechenland die Formen der Arie als Tr\u00e4ger des Gef\u00fchls und der Rezitative als Tr\u00e4ger der Handlung entwickelten). Bevor Musik aufgeschrieben wurde, gen\u00fcgte es sie von Ohr zu Ohr weiterzugeben. (Die Anekdote, wie Mozart kraft seiner Erinnerung nach dem Besuch einer Liturgie die Melodien aufschrieb und welche Ersch\u00fctterungen dies verursachte, werfen ein Schlaglicht auf die Magie der nicht aufgeschriebenen, gesungenen Melodie). Die\u00a0<em>Neumen<\/em>\u00a0wurden in den Klostern als\u00a0<em>Notenschrift<\/em>\u00a0des lateinischen Kirchengesangs ab dem 9. Jahrhundert eingesetzt, entwickelten sich bis zum 13. Jh. zur\u00a0<em>Choralnotation<\/em>\u00a0und sind die Vorl\u00e4ufer der heutigen Notation. Zun\u00e4chst lediglich mit der Hand geschrieben, dauerte es lang bis auch die Noten maschinell gesetzt werden konnten. Die Erfindung des\u00a0<em>Buchdrucks<\/em> revolutionierte die Kultur. (Gutenberg, Mainz, 1450). Bald darauf begann auch der\u00a0<em>Musiknotendruck<\/em>, zun\u00e4chst mit liturgischen B\u00fcchern. Der Beruf\u00a0<em>Notenstecher<\/em>\u00a0(ab ca. 1750) symbolisiert dann in der Entwicklung der Musik einen entscheidenden Einschnitt. Musik wurde zur Ware die beliebig reproduzierbar war. Einen parallelen Schritt gab es nach der Renaissance noch einmal, als n\u00e4mlich Musik als Klangereignis zur Ware wurde mit der Erfindung der Schallplatte. Die Entwicklung der Notenschrift scheint erst einmal abgeschlossen zu sein. Die M\u00f6glichkeiten der Notenschrift und ihre Anwendung ist noch nicht abgeschlossen.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container\">\n<h2>Technik<\/h2>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Nach dem Notenschreiben &#8222;von Hand&#8220; entwickelte sich vor \u00fcber 250 Jahren der Notenstich. &#8222;&#8230;das sieht aus wie gestochen&#8230;. gestochen scharf&#8230;.&#8220; sind die sprachlichen Versatzst\u00fccke aus einer Zeit, als das Handwerk des Notenstechers einen sehr guten Ruf und eine sehr lange Ausbildung hatte. Erst nach 4 Jahren Lehrzeit bei einem Verlag, oder einer Druckerei durfte sich der Lehrling mit der Berufsbezeichnung Notenstecher schm\u00fccken. Die Technik des Notenstechens beruht auf der Bearbeitung einer Metallplatte. Der erste Schritt ist das Einteilen des Manuskriptes. Umbruch, Anzahl der Zeilen, Taktzahl pro Zeile, Zeilenabstand etc.  Nach dieser aufwendigen und gr\u00fcndlichen Arbeit erfolgt die H\u00f6heneinteilung der Zeilen. Dabei ist das Ziel einen optisch gleichm\u00e4\u00dfigen Eindruck entstehen zu lassen &#8211; deshalb m\u00fcssen die Zeilen eben nicht alle im gleichen Abstand sein. Nach dem &#8222;Abstecken&#8220; der Markierungen werden mit einem &#8222;Rastral&#8220; (5-zackiger Stichel) und einem Stahllineal die Notenlinien in das Metall graviert. Es folgen &#8222;Vermessungsarbeiten&#8220; zum Ermitteln der genauen Position der verschiedenen Elemente. Danach beginnt das Einschlagen der Typen mit Stempeln auf St\u00e4ben. \u00dcberfl\u00fcssig zu sagen, dass der Notenstecher spiegelbildlich arbeiten muss! F\u00fcr jedes musikalische Zeichen wurde ein Stempel ben\u00f6tigt, die wiederum von Graveuren in ziselierter Arbeit hergestellt werden mussten. Ein umfangreiches Materiallager war also n\u00f6tig. Legato-B\u00f6gen, Balken und andere Strichzeichen mussten mit der Hand nach \u00e4sthetischen und praktischen Gesichtspunkten erfolgen. Der im Laufe eines Berufslebens sich angesammelte Erfahrungsschatz wurde meist m\u00fcndlich weitergegeben. Nach Beenden der Arbeiten wurde die Platte mit der Ziehklinge ges\u00e4ubert. Ein Arbeitstag war vergangen und am n\u00e4chsten Tag kam die n\u00e4chste Platte. Ein teures, aber \u00fcberaus kunstvolles Handwerk. Ein Probeabdruck konnte f\u00fcr das Korrekturlesen gemacht werden. Eventuelle Verbesserungen mussten in m\u00fchsamer Arbeit erfolgen. In der Fr\u00fchzeit wurde von den Platten aus gedruckt, sp\u00e4ter konnten Filme hergestellt werden. Es gab verschiedene Versuche, dieses Verfahren zu vereinfachen. (Stempelautograph). Die Erfindung eines auf aufreibbaren Symbolen beruhenden Verfahrens brachte ab ca. 1960 (!!) gute Ergebnisse (Notaset). Der Notengrafiker ben\u00f6tigte dazu vom Untergrund abl\u00f6sbare Zeichen. Diese werden mittels geeignetem Werkzeug auf Folien, oder Papier aufgerieben und ergeben eine sehr gute Druckvorlage. Korrigieren geht leichter als auf den Metallplatten und Sonderzeichen, oder fehlende Symbole, k\u00f6nnen leicht mit Tusche gezeichnet werden. Eine weitere Entwicklung &#8211; die Notenschreibmaschine &#8211; ergab keine brauchbaren Ergebnisse, zeigte aber schon die Richtung der weiteren Entwicklung. Dem Bed\u00fcrfnis, musikalische Gedanken recht flott zu Papier zu bringen, konnte erst der Computer entgegenkommen. Allerdings war nach den allerersten Anf\u00e4ngen noch ein weiter Weg zu beschreiten bis dazu ein Keyboard benutzt werden konnte. Zun\u00e4chst wurden die Zeichen mittels spezieller Tastaturen, oder mit K\u00fcrzeln in den Rechner eingegeben. Heute geht das alles sehr viel flotter&#8230;. und damit sind wir in der Gegenwart:<\/p>\n\n\n\n<h2>Gegenwart<\/h2>\n\n\n\n<p>Auch wenn das Aussterben eines Berufsstandes wehm\u00fctige macht, kann doch festgestellt werden, dass die Entwicklung des Computernotensatzes viele vorher undenkenbaren M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnet. Doch zun\u00e4chst zur Technik: Heute kann auf fast jedem PC mit oder ohne Keyboard Musik in Noten dargestellt werden. Die Eingabe erfolgt entweder &#8222;Step by Step&#8220; (auf der 10 er Tastatur werden die Notenwerte eingestellt und auf der Keyboardtastatur werden die Tonh\u00f6hen gegriffen), oder es wird mit einem voreingestelltem Tempo und Metronomklick kontinuierlich eingespielt. Raffiniertere Programm erlauben auch w\u00e4hrend des Spielens das Tempo zu ver\u00e4ndern. Was f\u00fcr den Anwender am besten geeignet ist h\u00e4ngt vom K\u00f6nnen ab, aber auch von dem gesetzten Ziel. Soll die Musik f\u00fcr den Druck, also zum Lesen, sein empfiehlt sich meistens die Step by Step Eingabe. Soll allerdings f\u00fcr Arrangements den Ideen und der Experimentierfreude Raum gegeben werden, empfiehlt sich das kontinuierliche Einspielen. Damit sind wir schon bei den Perspektiven. Die Umwandlung einer &#8222;Notendatei&#8220; in eine Midi Datei ist problemlos m\u00f6glich und er\u00f6ffnet dem Studiomusiker gro\u00dfen Freiraum. Das ganze St\u00fcck eine Terz tiefer, kein Problem, wie sehen die Noten dazu aus, noch spielbar f\u00fcr einen Musiker? Das Klarinettenthema klingt vielleicht in der Geige besser, kein Problem. Die \u00c4nderung ist nur einige Mausklicks entfernt. Wie sehen die Noten dazu aus. Das transponierende Instrument bereitet dem Programm keine Schwierigkeiten. M\u00f6chte der Dirigent lieber den Klang sehen, dann wird die Partitur nicht transponierend ausgedruckt. Eine live Session, gespielt auf Midi-Insrtrumenten mit angeschlossenen Klangerzeugern soll der Nachwelt auch in Noten erhalten bleiben &#8211; kein Problem. Um der Euphorie vorzubeugen: Um Noten zum Druck fertigzumachen, ben\u00f6tigt der Notengrafiker prinzipiell das Wissen um all die vielen genauen Vorgaben und Regeln des alten Notenstechens. Jeder aus\u00fcbende Musiker wei\u00df, wie wichtig perfektes Notenmaterial ist. Deshalb ist das Layout des Materials nicht nur sehr zeitaufwendig, sondern auch anspruchsvoll. Gute Noten unterscheiden sich vor allem in der handwerklich-k\u00fcnstlerischen F\u00e4higkeit des Layouters. Das beste Programm ist nur so gut, wie der Anwender vor der Tastatur. Heute ist festzustellen, dass oft Noten auf den Markt kommen die nur laienhaft gesetzt sind und deshalb nicht gut zu lesen sind. Das eben ist die Kehrseite der f\u00fcr alle handhabbaren Technik: Jeder tut\u00b4s, aber leider fehlt oft grundlegendes Wissen.<\/p>\n\n\n\n<h2>Zukunft<\/h2>\n\n\n\n<p>Verlage leben heute kaum noch von den Print-Erzeugnissen. Das wenige Geld, das im besten Falle \u00fcbrigbleibt, langt kaum noch aus Innovationen zu versuchen. Wo liegen die Alternativen?<br>\u2013&nbsp;Manch einer versucht sich mit downloadbaren Noten, was die Kosten erheblich reduziert. Der Nachteil: Ein Haufen loser Bl\u00e4tter, statt eines sch\u00f6nen Heftes.<br>&nbsp;\u2013&nbsp;Online Darstellung der Noten auf Bildschirmen. Immer mehr Auff\u00fchrungen werden von Tablets gespielt.<br>Die vorrangigste Aufgabe ist die \u00c4nderung des Urheberrechtes. Ist Kultur nicht f\u00fcr alle da, bezahlt von allen? In Norwegen zum Beispiel bekommen Komponisten ein Grundgehalt vom Staat, damit sie erst einmal leben k\u00f6nnen. Einzige Bedingung: Eine gewisse Produktivit\u00e4t. Damit Kunst sich frei entfalten kann, muss sie befreit werden von den Gesetzen der Marktwirtschaft, die ja immer weiter entfernt ist von dem Attribut &#8222;sozial&#8220;. Ich wei\u00df, gewagte Thesen, aber zum Weiterdenken m\u00f6gen diese Anregungen erst einmal formuliert sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Notenschreiben &#8222;von Hand&#8220; entwickelte sich vor \u00fcber 250 Jahren der Notenstich. &#8222;&#8230;das sieht aus wie gestochen&#8230;. gestochen scharf&#8230;.&#8220; sind die sprachlichen Versatzst\u00fccke aus einer Zeit, als das Handwerk des Notenstechers einen sehr guten Ruf und eine sehr lange Ausbildung hatte. 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