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Geschichte des Notensatzes

Als die Menschheit anfing Sprache aufzuschreiben, ging es wohl erst einmal um die Verwaltung der größer werdenden Güter der Tempel. (Sumerische Bilderschrift im Zweistromland Mesopotamien zwischen Euphrat und Tigris). Das war ungefähr ab 3300 v. Chr. Interessant ist, wie sich die Schriftzeichenmenge dieser Bilderschrift von ursprünglich wohl mehreren tausend reduzierte auf ca. 500. Damit wurde die Schrift besser erlernbar und konnte die steigenden Tendenzen zur Staatenbildung wirksam unterstützen. Für die Menschen der damaligen Zeit muss in diesen Vorgängen des Aufschreibens und Lesens eine ungeheure Magie gewesen sein. Die assyrischen Kulturen übernahmen die sumerische Bilderschrift, ritzten sie in Ton ein und entwickelten damit die Keilschrift. In ungefähr der gleichen Zeit entstand in Ägypten die Hieroglyphenschrift als Lautschrift. Parallel entwickelte sich Mathematik, Astrophysik und mit diesen verbunden die ungeheure Baukunst der Ägypter. (Pyramiden). An die Niederschrift von Musik wurde in diesen frühen Zeiten wohl noch nicht gedacht. Unsere Vermutung, Musik könnte als Medium des Austausches zwischen Menschen viel älter sein als Sprache, bleibt wohl auch in Zukunft nicht beweisbar. Sicher ist jedoch, dass erst nach über 2000 Jahren nach den Anfängen der geschriebenen Sprache auch Musik nachweisbar aufgeschrieben wurde. Wir wissen aus der Zeit vor dem Beginn der Musiknotation von der Musik nur, dass sie gemacht wurde. Erzählungen und Abbildungen kultureller und magischer Motive sprechen eine beredte Sprache. Im Orient entwickelten sich ebenfalls Schriftzeichen – die volle Ausbildung der chinesischen Schrift ist ca. 1000 v. Chr. abgeschlossen. Erstaunlich, wie viele Musiker es ca. 950 v. Chr. in Israel gab: 4000 ! Hätten Sie das gedacht? Und immer noch wurde die Notation von Musik nicht praktiziert! Die wahrscheinlich ältesten Aufzeichnungen eines Musikstücken findet sich in der babylonischen Kultur ca. 800 v. Chr. (Keilschrift). Der Versuch, altgriechische Musik zu rekonstruieren führt bis in das 7. Jahrhundert vor Christi Geburt und damit in die frühen Anfänge der Musiknotation in Griechenland. (CD: MUSIQUE DE LA GRECE ANTIQUE, harmonia mundi s.a. 1979 Nr.: 190115).In Griechenland lassen sich bereits zwei verschiedene Notationssysteme erkennen: Die Instrumentalnotation mit 15 Zeichen und die Vokalnotation mit den 24 Buchstaben des ionischen Alphabets. (Kenner wissen, dass sich in Griechenland die Formen der Arie als Träger des Gefühls und der Rezitative als Träger der Handlung entwickelten). Bevor Musik aufgeschrieben wurde, genügte es sie von Ohr zu Ohr weiterzugeben. (Die Anekdote, wie Mozart kraft seiner Erinnerung nach dem Besuch einer Liturgie die Melodien aufschrieb und welche Erschütterungen dies verursachte, werfen ein Schlaglicht auf die Magie der nicht aufgeschriebenen, gesungenen Melodie). Die Neumen wurden in den Klostern als Notenschrift des lateinischen Kirchengesangs ab dem 9. Jahrhundert eingesetzt, entwickelten sich bis zum 13. Jh. zur Choralnotation und sind die Vorläufer der heutigen Notation. Zunächst lediglich mit der Hand geschrieben, dauerte es lang, bis auch die Noten maschinell gesetzt werden konnten. Die Erfindung des Buchdrucks revolutionierte die Kultur. (Gutenberg, Mainz, 1450). Bald darauf begann auch der Musiknotendruck, zunächst mit liturgischen Büchern. Einzelheiten zur Technik siehe Technik. Der Beruf Notenstecher (ab ca. 1750) symbolisiert dann in der Entwicklung der Musik einen entscheidenden Einschnitt. Musik wurde zur Ware die beliebig reproduzierbar war. Einen parallelen Schritt gab es nach der Renaissance noch einmal, als nämlich Musik als Klangereignis zur Ware wurde mit der Erfindung der Schallplatte. Die Entwicklung der Notenschrift scheint erst einmal abgeschlossen zu sein. Die Möglichkeiten der Notenschrift und ihre Anwendung ist noch nicht abgeschlossen... Siehe Zukunft.

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Technik

Nach dem Notenschreiben "von Hand" entwickelte sich vor über 250 Jahren der Notenstich. "...das sieht aus wie gestochen.... gestochen scharf...." sind die sprachlichen Versatzstücke aus einer Zeit, als das Handwerk des Notenstechers einen sehr guten Ruf und eine sehr lange Ausbildung hatte. Erst nach 4 Jahren Lehrzeit bei einem Verlag, oder einer Druckerei durfte sich der Lehrling mit der Berufsbezeichnung Notenstecher schmücken. Die Technik des Notenstechens beruht auf der Bearbeitung einer Metallplatte. Der erste Schritt ist das Einteilen des Manuskriptes. (Umbruch, Anzahl der Zeilen, Taktzahl pro Zeile, Zeilenabstand etc.) Nach dieser aufwendigen und gründlichen Arbeit erfolgt die Höheneinteilung der Zeilen. Dabei ist das Ziel einen optisch gleichmäßigen Eindruck entstehen zu lassen - deshalb müssen die Zeilen eben nicht alle im gleichen Abstand sein. Nach dem "Abstecken" der Markierungen werden mit einem "Rastral" (5-zackiger Stichel) und einem Stahllineal die Notenlinien in das Metall graviert. Es folgen "Vermessungsarbeiten" zum Ermitteln der genauen Position der verschiedenen Elemente. Danach beginnt das Einschlagen der Typen mit Stempeln auf Stäben. Überflüssig zu sagen, dass der Notenstecher spiegelbildlich arbeiten muss! Für jedes musikalische Zeichen wurde ein Stempel benötigt, die wiederum von Graveuren in ziselierter Arbeit hergestellt werden mussten. Ein umfangreiches Materiallager war also nötig. Legato-Bögen, Balken und andere Strichzeichen mussten mit der Hand nach ästhetischen und praktischen Gesichtspunkten erfolgen. Der im Laufe eines Berufslebens sich angesammelte Erfahrungsschatz wurde meist mündlich weitergegeben. Nach Beenden der Arbeiten wurde die Platte mit der Ziehklinge gesäubert. Ein Arbeitstag war vergangen und am nächsten Tag kam die nächste Platte. Ein teures, aber überaus kunstvolles Handwerk. Ein Probeabdruck konnte für das Korrekturlesen gemacht werden. Eventuelle Verbesserungen mussten in mühsamer Arbeit erfolgen. In der Frühzeit wurde von den Platten aus gedruckt, später konnten Filme hergestellt werden. Es gab verschiedene Versuche, dieses Verfahren zu vereinfachen. (Stempelautograph). Die Erfindung eines auf aufreibbaren Symbolen beruhenden Verfahrens brachte ab ca. 1960 (!!) gute Ergebnisse (Notaset). Der Notengrafiker benötigte dazu vom Untergrund ablösbare Zeichen. Diese werden mittels geeignetem Werkzeug auf Folien, oder Papier aufgerieben und ergeben eine sehr gute Druckvorlage. Korrigieren geht leichter als auf den Metallplatten und Sonderzeichen, oder fehlende Symbole, können leicht mit Tusche gezeichnet werden. Eine weitere Entwicklung - die Notenschreibmaschine - ergab keine brauchbaren Ergebnisse, zeigte aber schon die Richtung der weiteren Entwicklung. Dem Bedürfnis, musikalische Gedanken recht flott zu Papier zu bringen, konnte erst der Computer entgegenkommen. Allerdings war nach den allerersten Anfängen noch ein weiter Weg zu beschreiten bis dazu ein Keyboard benutzt werden konnte. Zunächst wurden die Zeichen mittels spezieller Tastaturen, oder mit Kürzeln in den Rechner eingegeben. Heute geht das alles sehr viel flotter.... und damit sind wir in der Gegenwart:

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Gegenwart

Auch wenn das Aussterben eines Berufsstandes wehmütige macht, kann doch festgestellt werden, dass die Entwicklung des Computernotensatzes viele vorher undenkenbaren Möglichkeiten eröffnet. Doch zunächst zur Technik: Heute kann auf fast jedem PC, oder Macintosh, mit oder ohne Keyboard Musik in Noten dargestellt werden. Die Eingabe erfolgt entweder "Step by Step" (auf der 10 er Tastatur werden die Notenwerte eingestellt und auf der Keyboardtastatur werden die Tonhöhen gegriffen), oder es wird mit einem voreingestelltem Tempo und Metronomklick kontinuierlich eingespielt. Raffiniertere Programm erlauben auch während des Spielens das Tempo zu verändern. Was für den Anwender am besten geeignet ist hängt vom Können ab, aber auch von dem gesetzten Ziel. Soll die Musik für den Druck, also zum Lesen, sein empfiehlt sich meistens die Step by Step Eingabe. Soll allerdings für Arrangements den Ideen und der Experimentierfreude Raum gegeben werden, empfiehlt sich das kontinuierliche Einspielen. Damit sind wir schon bei den Perspektiven. Die Umwandlung einer "Notendatei" in eine Midi Datei ist problemlos möglich und eröffnet dem Studiomusiker großen Freiraum. Das ganze Stück eine Terz tiefer, kein Problem, wie sehen die Noten dazu aus, noch spielbar für einen Musiker?... Das Klarinettenthema klingt vielleicht in der Geige besser, kein Problem. Die Änderung ist nur einige Mausklicks entfernt. Wie sehen die Noten dazu aus. Das transponierende Instrument bereitet dem Programm keine Schwierigkeiten. Möchte der Dirigent lieber den Klang sehen, dann wird die Partitur nicht transponierend ausgedruckt. Eine live Session, gespielt auf Midi-Insrtrumenten mit angeschlossenen Klangerzeugern soll der Nachwelt auch in Noten erhalten bleiben... kein Problem. Um der Euphorie vorzubeugen: Um Noten zum Druck fertigzumachen, benötigt der Notengrafiker prinzipiell das Wissen um all die vielen genauen Vorgaben und Regeln des alten Notenstechers. Jeder ausübende Musiker weiß, wie wichtig perfektes Notenmaterial ist. Deshalb ist das Layout des Materials nicht nur sehr zeitaufwendig, sondern auch anspruchsvoll. Gute Noten unterscheiden sich vor allem in der handwerklich-künstlerischen Fähigkeit des Layouters. Das beste Programm ist nur so gut, wie der Anwender vor der Tastatur. Heute ist festzustellen, dass oft Noten auf den Markt kommen die nur laienhaft gesetzt sind und deshalb nicht gut zu lesen sind. Das eben ist die Kehrseite der für alle handhabbaren Technik: Jeder tut´s, aber leider fehlt grundlegendes Wissen....

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Zukunft

Verlage leben heute kaum noch von den Print-Erzeugnissen. Das wenige Geld, das im besten Falle übrigbleibt, langt kaum noch aus Innovationen zu versuchen. Wo liegen die Alternativen?
– Manch einer versucht sich mit downloadbaren Noten, was die Kosten erheblich reduziert. Der Nachteil: Ein Haufen loser Blätter, statt eines schönen Heftes.
 – Online Darstellung der Noten auf Bildschirmen. Ich glaube nicht so recht daran, auch wenn es schon Aufführungen gegeben hat mit dieser Technik.
Die vorrangigste Aufgabe ist die Änderung des Urheberrechtes. Ist Kultur nicht für alle da, bezahlt von allen? In Norwegen zum Beispiel bekommen Komponisten ein Grundgehalt vom Staat, damit sie erst einmal leben können. Einzige Bedingung: Eine gewisse Produktivität. Damit Kunst sich frei entfalten kann, muss sie befreit werden von den Gesetzen der Marktwirtschaft, die ja immer weiter entfernt ist von dem Attribut "sozial". Ich weiß, gewagte Thesen, aber zum Weiterdenken mögen diese Anregungen erst einmal formuliert sein.

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Ausblicke auf heute schon machbare Visionen

Das wird interessant, da es richtungsweisende Ansätze im praktischen Musizieren, beim Unterricht und bei den Vertriebswegen heute schon gibt...Hier ein Link von vielen um meine Behauptung wenigstens mit einem Beispiel zu untermauern. Hier ein "Hörstück" zum Kennenlernen neuerer Möglichkeiten, die auch über das Internet nutzbar sind. (Wenn Sie dieses kleine Stückchen als Midi - Datei hätten und abspielen könnten, würden Sie zum Beispiel mit weniger als 4 Schülern alle Stimmen gleichzeitig üben können - und das in verschiedenen Tempi !) Zu diesem mehr pädagogischen Thema werde ich demnächst an dieser Stelle einen ausführlichen Kommentar schreiben.

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Diskussion um Notensatzstandards

(Dieser kleine Anfang soll in absehbarer Zeit zu einer eigenen Seite innerhalb dieses Webauftrittes führen. Die Darstellung der verschiedenen Standards mit ihren Vor- und Nachteilen, soll dann als Anregung dienen, mit wachen Augen vorhandene Literatur kritisch zu betrachten und neue Ausgaben möglichst dicht an eine optimale Lesbarkeit für Musiker führen).

Als ausübender Musiker bin ich seit 30 Jahren mit den Printerzeugnissen der Notenverlage konfrontiert. Die Verständlichkeit und Umsetzbarkeit der gedruckten Noten in klingende Musik hängt natürlich maßgeblich mit den Notensatzstandards zusammen. Diese entwickelten sich nicht einheitlich , trotzdem haben sich Regeln festgesetzt. Siehe zum Beispiel: Herbert Chlapick, "Die Praxis des Notengraphikers". Erschienen bei Doblinger, Wien. (ISBN 3-9000 035-96-2) Ich möchte bei Gelegenheit diverse Themen dazu kritisch beleuchten. Hier ein Anfang:
 – Neue Sätze, oder Stücke sollen eingerückt werden - auch wenn kein Instrumentenname das erfordert. Die Mehrzahl der Verlage hält daran fest, obwohl dieses, gerade wenn eine deutliche Überschrift die einzelnen Sätze trennt, eigentlich unnötig ist und die Lesbarkeit nicht erleichtert. Achten Sie einmal auf dieses Detail! Ich bevorzuge eine sinnvolle Lösung in Abhängigkeit des Notenmaterials. Abweichende Beispiele dieser Tradition des Einrückens findet sich u.a. bei: Schott, Bärenreiter, Neil A. Kjos Music Company und vielen anderen Verlagen.
 – In den Zeiten des Notenstechens hat man nach einigen Stacc. Punkten (dies als Beispiel) die Punkte nicht weiter"gestochen", höchstens ein "simile" wies auf die Weiterführung dieser Spielanweisung hin. Im Zeitalter des Computernotensatzes wird gerne das Notenbild überfrachtet mit einer Flut von (eigentlich unnötigen) Spielanweisungen (in diesem Beispiel der Stacc. Punkt). Wegglassen was unnötig ist um ein schlankes Notenbild zu erreichen ist meine Devise. Der Henle Verlag beispielsweise ist einer der letzten Verlage, die auf Computernotensatz umgestellt haben, aber die Notensetzer müssen ein Notenbild erreichen, dass sich in Nichts von dem Bild eines sehr guten manuellen Satzes unterscheidet.

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